Immer funktionieren: Wie Frauen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehme

Immer funktionieren: Wie Frauen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehme

Warum es uns so schwerfällt, Pausen zu machen, Grenzen zu setzen und auf unseren Körper zu hören und wie wir Schritt für Schritt wieder mehr Verbindung zu uns selbst finden können.

Du hast an alles gedacht. Die Termine sind organisiert, die Aufgaben erledigt und die Bedürfnisse der Menschen um dich herum berücksichtigt.

Du machst weiter, auch wenn du müde bist.

Du sagst Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst und wenn dich jemand fragt, wie es dir geht, antwortest du ganz automatisch: „Gut.“

Vielleicht kennst du diesen Alltag, vielleicht bemerkst du erst am Abend, wenn endlich Ruhe einkehrt, wie erschöpft du eigentlich bist.

Viele Frauen haben gelernt, zuverlässig zu sein, Verantwortung zu übernehmen und auch in herausfordernden Situationen weiterzumachen. Diese Fähigkeit kann eine große Stärke sein. Schwierig wird es dann, wenn wir kaum noch wahrnehmen, was wir selbst brauchen oder wenn wir das Gefühl haben, uns erst dann eine Pause erlauben zu dürfen, wenn alles andere erledigt ist.

Doch was passiert, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellen? Und wie können wir lernen, früher hinzuhören?

Darüber spricht Lisa Stober von Zyklus AHA in der UNIQMYND Lounge mit Ela.

Ela begleitet Frauen in ihrer Praxis in Karlsruhe zu den Themen Nervensystem, Stressregulation, Grenzen und körperorientierte Traumaarbeit. Sie verbindet Systemik, Körper und Seele und unterstützt Frauen dabei, aus dem ständigen Funktionieren wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Besonders Frauen, die in ihrem eigenen Studio, ihrer Praxis oder ihrem Business Verantwortung für andere tragen, begleitet sie hin zu mehr Halt und Klarheit in ihrer Selbstführung.

Wenn Funktionieren zum Alltag wird

Funktionieren bedeutet nicht unbedingt, dass wir nach außen erschöpft oder überfordert wirken. Im Gegenteil: Viele Frauen erledigen weiterhin ihre Aufgaben, organisieren ihren Alltag und sind für andere da. Sie erscheinen leistungsfähig, obwohl sie innerlich längst unter Druck stehen.

Ela beschreibt im Podcast ein Muster, das vielen vertraut sein dürfte: Wir wissen häufig ganz genau, was unsere Familie, unsere Freundinnen oder unsere Kolleginnen brauchen. Wir haben Termine im Kopf, denken an Einkäufe und organisieren, was noch erledigt werden muss. Die eigenen Bedürfnisse geraten dabei schnell in den Hintergrund.

Wir essen nebenbei, verschieben Pausen, ignorieren Müdigkeit und erledigen abends noch die Küche, bevor wir uns endlich ausruhen.

Das Problem ist nicht, dass wir Verantwortung übernehmen. Entscheidend ist, ob wir noch die Möglichkeit haben, anders zu handeln.

Kann ich eine Aufgabe liegen lassen? Kann ich um Hilfe bitten? Kann ich Nein sagen, ohne mich sofort schuldig zu fühlen? Kann ich mir eine Pause nehmen, obwohl noch etwas offen ist?

Wenn diese Möglichkeiten kaum noch zugänglich erscheinen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Die Signale des Körpers ernst nehmen

Unser Körper kann uns Hinweise darauf geben, dass wir belastet sind. Dazu können verspannte Muskeln, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, innere Unruhe oder das Gefühl gehören, ständig weitermachen zu müssen. Auch eine geringere Konzentrationsfähigkeit oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen können im Zusammenhang mit Stress auftreten.

Solche Anzeichen sind nicht eindeutig und können unterschiedliche Ursachen haben. Anhaltende oder starke Beschwerden sollten deshalb medizinisch eingeordnet werden.

Gleichzeitig lohnt es sich, die eigene Wahrnehmung zu schulen.

Denn manchmal haben wir uns so sehr daran gewöhnt, unsere Bedürfnisse zu übergehen, dass wir sie kaum noch erkennen. Wir bemerken erst spät, dass wir hungrig, müde, überreizt oder emotional belastet sind.

Die Frage lautet dann nicht nur: „Was muss ich noch erledigen?“

Sondern auch: „Wie geht es mir gerade eigentlich?“

Diese Frage klingt einfach. Doch wenn wir lange vor allem auf Anforderungen von außen reagiert haben, kann es ungewohnt sein, die Aufmerksamkeit wieder nach innen zu richten.

Nervensystemregulation ist keine weitere Aufgabe auf deiner To-do-Liste

Begriffe wie Nervensystemregulation und Selbstregulation begegnen uns inzwischen häufig. Schnell entsteht dabei der Eindruck, wir müssten nur regelmäßig meditieren, Atemübungen machen oder Yoga praktizieren, um ruhiger und ausgeglichener zu werden.

Doch genau hier setzt ein wichtiger Gedanke aus dem Gespräch mit Ela an: Regulation bedeutet nicht, jederzeit ruhig zu sein oder unangenehme Gefühle möglichst schnell verschwinden zu lassen.

Wut, Traurigkeit, Anspannung und Überforderung dürfen da sein. Es geht vielmehr darum, die eigenen Reaktionen wahrzunehmen, mit ihnen umgehen zu lernen und wieder Handlungsmöglichkeiten zu finden.

Manchmal hilft Bewegung. Manchmal brauchen wir Ruhe. Manchmal tut ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen gut. Und manchmal muss sich die belastende Situation selbst verändern.

Eine Meditation ist deshalb nicht automatisch die richtige Antwort auf jede Form von Stress.

Die entscheidende Frage ist: Was brauche ich gerade wirklich?

Drei kleine Schritte, um wieder bei dir anzukommen

Du musst nicht sofort deinen gesamten Alltag verändern oder eine neue Routine entwickeln. Du kannst mit kleinen Momenten beginnen, die sich in deinen bestehenden Tag integrieren lassen.

1. Nimm wahr, wo du gerade bist.

Stelle deine Füße auf den Boden und spüre den Kontakt zum Untergrund. Lass deinen Blick durch den Raum wandern und benenne drei Dinge, die du sehen kannst. Zum Beispiel ein Fenster, eine Tasse oder eine Pflanze.

Diese einfache Orientierungsübung kann dir helfen, deine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken.

2. Frage dich, was du gerade brauchst.

Versuche, ohne Bewertung neugierig auf dich zu schauen. Bist du müde? Hungrig? Überreizt? Hast du dich lange nicht bewegt? Gab es eine Situation, die dich emotional beschäftigt?

Du musst nicht sofort eine perfekte Erklärung finden. Es reicht, verschiedene Möglichkeiten wahrzunehmen und auszuprobieren, was dir guttun könnte.

3. Erlaube dir einen kleinen nächsten Schritt.

Vielleicht trinkst du ein Glas Wasser, gehst kurz an die frische Luft oder setzt dich für zwei Minuten hin, ohne nebenbei etwas zu erledigen.

Beobachte anschließend, ob sich etwas verändert hat.

Es geht nicht darum, jede Empfindung sofort lösen zu müssen. Du sammelst Erfahrungen damit, dich selbst wahrzunehmen und auf deine Bedürfnisse zu reagieren.

Warum Wissen allein oft nicht ausreicht

Viele von uns wissen durchaus, dass Pausen wichtig sind. Wir wissen, dass wir Nein sagen dürfen und dass wir nicht immer alles allein schaffen müssen.

Trotzdem handeln wir häufig anders.

Ein Grund dafür kann sein, dass wir bestimmte Verhaltensweisen über viele Jahre gelernt haben. Vielleicht haben wir früh erlebt, dass Leistung wichtig ist, dass wir niemanden enttäuschen sollten oder dass wir für andere stark sein müssen.

Dann kann sich eine Pause unangenehm anfühlen, solange noch Aufgaben offen sind. Ein Nein kann Schuldgefühle auslösen, obwohl wir eigentlich wissen, dass unsere Grenze berechtigt ist.

Deshalb reicht es nicht immer, etwas verstanden zu haben. Wir brauchen auch neue Erfahrungen.

Eine kleine Aufgabe bewusst liegen zu lassen. Um Unterstützung zu bitten. Eine Pause zu machen und zu erleben, dass nicht alles zusammenbricht. Das eigene Bedürfnis auszusprechen und herauszufinden, wie andere darauf reagieren.

Solche Veränderungen brauchen Zeit und Wiederholung. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles anders zu machen, sondern neue Handlungsmöglichkeiten Schritt für Schritt zugänglich zu machen.

Und manchmal bedeutet das auch, Aufgaben innerhalb der Familie oder im Beruf neu zu verteilen. Denn wenn wir unsere Bedürfnisse ernst nehmen, müssen sich möglicherweise auch bestehende Erwartungen verändern.

Was unser Zyklus mit unserer Belastbarkeit zu tun hat

Auch der weibliche Zyklus kann eine Rolle dabei spielen, wie wir unseren Alltag erleben.

Je nach Zyklusphase können sich Energie, Stimmung und körperliches Befinden verändern. Wenn ohnehin viele Anforderungen zusammenkommen, können sich bestehende Belastungen in bestimmten Phasen stärker bemerkbar machen.

Wichtig ist dabei, nicht jede Schwierigkeit automatisch auf den Zyklus zurückzuführen. Es geht vielmehr darum, die eigenen Erfahrungen aufmerksam zu beobachten und individuelle Muster zu erkennen.

Ein einfaches Stimmungs- oder Empfindungstagebuch kann dabei helfen. Du könntest beispielsweise notieren, wie du geschlafen hast, wie deine Stimmung war, welche Beschwerden aufgetreten sind und wie belastend dein Tag gewesen ist.

Mit der Zeit können Zusammenhänge sichtbar werden.

Vielleicht fällt dir auf, dass du in bestimmten Phasen mehr Ruhe brauchst oder dass eine volle Terminplanung dann anstrengender ist als sonst. Dieses Wissen kann dir helfen, deine Erwartungen an dich selbst zu hinterfragen und deinen Alltag, soweit möglich, bewusster zu gestalten.

Die Frage verändert sich damit von „Was stimmt heute nicht mit mir?“ zu „Was passiert gerade in meinem Körper und was brauche ich jetzt?“

Deine Bedürfnisse dürfen in deinen Entscheidungen vorkommen

Ein zentraler Gedanke aus dem Gespräch mit Ela lautet:

„Meine Bedürfnisse dürfen in meinen Entscheidungen vorkommen.“

Das bedeutet nicht, dass wir jede Verpflichtung absagen oder jede unangenehme Situation vermeiden können. Das Leben bringt Phasen mit sich, in denen wir viel tragen und nicht alles sofort verändern können.

Aber wir dürfen wahrnehmen, wenn es zu viel wird. Wir dürfen Unterstützung suchen. Wir dürfen Grenzen setzen und überlegen, welche Veränderungen möglich sind.

Und wir müssen nicht warten, bis gar nichts mehr geht.

Dafür brauchen wir nicht nur Wissen, sondern auch Räume, in denen wir ehrlich über Belastungen, Erwartungen und Bedürfnisse sprechen können. Räume, in denen wir nicht funktionieren müssen, um dazuzugehören, und in denen wir gemeinsam neue Perspektiven entwickeln.

Ein Raum für Austausch: das Women Era Event

Genau darum geht es auch beim

Women Era Event am 20. November in Karlsruhe.

Gemeinsam möchten wir Themen wie Körperwahrnehmung, Zykluswissen, Selbstführung und weibliche Kommunikation aufgreifen.

Es geht darum, sich selbst besser zu verstehen und herauszufinden, wie wir unsere Bedürfnisse nicht nur erkennen, sondern auch im Alltag berücksichtigen können.

Denn auf den eigenen Körper zu hören, ist ein wichtiger Anfang. Genauso wichtig ist es, die Möglichkeit zu haben, Konsequenzen daraus zu ziehen, Unterstützung zu bekommen und Veränderungen gemeinsam auszuhandeln.

Wenn du dir einen solchen Raum für neue Impulse und Austausch wünschst, findest du weitere Informationen zum Event auf der UNIQMYND Website.

Höre das vollständige Gespräch in der UNIQMYND Lounge

Wie erkennen wir, dass wir nur noch funktionieren? Was bedeutet Nervensystemregulation im Alltag? Und wie können wir lernen, unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen, ohne daraus gleich die nächste Aufgabe zu machen?

Über diese und weitere Fragen sprechen Lisa Stober von Zyklus AHA und Ela in der aktuellen Podcastfolge.

Hör jetzt in die Folge hinein und nimm dir einen Moment für dich.

Du findest Ela außerdem auf Instagram unter @ela-frei-sein und über ihre Website ela-karlsruhe.de & @lisa.stober.mentoring und über ihre Website https://www.lisastober.de/

Vielleicht ist heute ein guter Moment, dich selbst einmal zu fragen: Was würde es mir gerade ein bisschen leichter machen?

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